Politik und Wirtschaft sind notwendig, aber nicht ausreichend. Wir brauchen mehr. Wir brauchen ein gemeinsames Narrativ. Sie muss nicht nur unser Gehirn, sondern auch unsere Herzen und Seelen erreichen. Wir müssen in der Lage sein, es zu fühlen. Das Neue Europäische Bauhaus will genau dieses Gefühl für unseren europäischen Green Deal schaffen.

Ursula von der Leyen (2021)

So leicht es auch ist, sich vom edlen, faszinierenden und galvanisierenden Geist des Neuen Europäischen Bauhauses anstecken zu lassen, bedeutet die Natur dieser Initiative, dass sie in Bezug auf Definition und Umsetzung sehr vage und abstrakt ist.

Der folgende Artikel wird versuchen, einen allgemeinen Rahmen für das NEB zu skizzieren und gleichzeitig versuchen, diese europäische Initiative auf der territorialen Ebene Südtirols zu verorten.

Es gibt Zeiten, in denen es gut ist, sich eine Minute Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Wir rennen von einem Notfall zum nächsten. Wir setzen alles daran, so schnell wie möglich aus der Krise herauszukommen, aber lassen Sie uns eine Minute Zeit, um über die Pandemie hinaus zu schauen. Stellen wir uns die Fragen:
Wie können wir neue Perspektiven schaffen? Wie können wir Hoffnung, Kreativität und Innovation stimulieren? Und wie können wir das angehen, was bei weitem die schwerste Krise für unseren Planeten ist - die Klimakrise?
Politik und Wirtschaft sind notwendig, aber nicht ausreichend. Wir brauchen mehr. Wir brauchen ein gemeinsames Narrativ. Sie muss nicht nur unser Gehirn, sondern auch unsere Herzen und Seelen erreichen. Wir müssen in der Lage sein, es zu fühlen. Das Neue Europäische Bauhaus will genau dieses Gefühl für unseren europäischen Green Deal schaffen.

Ursula von der Leyen (2021)

Mit diesen einleitenden Worten voller Hoffnung, Inspiration und neuer Perspektiven sprach Präsidentin von der Leyen zu Beginn einer von der Europäischen Kommission organisierten virtuellen Konferenz und erläuterte den Grund für die Initiative New European Bauhaus ("NEB"). Diese Initiative (bereits im Oktober 2020 angekündigt, aber erst 2021 vollständig gestartet) konnte seit ihrer Entstehung die Aufmerksamkeit vieler Institutionen, Verbände und Stakeholder, die im europäischen Bereich tätig sind, konstant und exponentiell auf sich ziehen.

Tatsächlich ist die dringende Notwendigkeit, die Umwelt zu schützen, seit langem ein wiederkehrendes Thema auf der Tagesordnung der europäischen Institutionen. Nicht einmal die verheerende globale Pandemie, die aus offensichtlichen Gründen wie ein Katalysator für die Aufmerksamkeit gewirkt hat, hat es geschafft, uns den Kampf gegen den Klimawandel vergessen zu lassen.

Nach dieser kurzen Einführung in den Kontext, in dem diese Initiative entstanden ist, sollten jedoch ein paar kritische Punkte erwähnt werden.

Obwohl es leicht ist, sich von dem edlen, faszinierenden und galvanisierenden Geist der NEB anstecken zu lassen, bedeutet die Natur dieser Initiative, dass sie sehr vage und abstrakt ist, was die Definition und Umsetzung angeht.

Damit stellen sich spontan zwei Fragen zum NEB:
1. Was ist damit gemeint und wie kann es definiert werden?
2. Was wird die Umsetzung in der Praxis bedeuten?

Auf diese Fragen wird der folgende Artikel versuchen, eine Antwort zu finden, indem er versucht, einen allgemeinen Rahmen für die NEB zu skizzieren.

Bei dem Versuch, die erste Frage zu beantworten, scheint es angebracht, zunächst zu betonen, was das NEB im Gegensatz dazu nicht sein will; in der Tat wurde von Anfang an betont, dass das "Neue Europäische Bauhaus", anders als sein Vorgänger, kein elitäres, avantgardistisches Kunstprojekt sein will, sondern ein Projekt, bei dem die integrative und partizipatorische Komponente eine zentrale Rolle spielt, da es zumindest ideell die Nachfolge der Kunst- und Designschule "Bauhaus" (die in Deutschland von 1919 bis 1933 tätig war) antritt.

Das NEB hingegen wird auch die Abbaumethoden des 20. Jahrhunderts umstoßen müssen und mit einem primären Fokus auf Aspekten wie Nachjustierung, Reparatur, Wiederherstellung und Regeneration der "gebauten Umwelt" arbeiten, da der größte Teil Europas bereits bebaut ist.

Nachdem diese erste "negative" Definition des NEB gesagt wurde, bleibt es, die entsprechende "positive" zu finden.

Wenn man die von der Kommission selbst veröffentlichten Quellen verwendet, wird das NEB in der Tat in erster Linie als eine Art Denkschule und auch als eine Schule der Praxis für den Europäischen Green Deal definiert.
Denn das NEB möchte den Green Deal zu einer kulturellen, menschenzentrierten, aktiven und vor allem greifbaren Erfahrung machen. Das NEB ist auch als eine Art sechste "Mission" des Programms "Horizon Europe" zu sehen, obwohl das NEB kein echtes Förderprogramm darstellt.

Mit diesem kurzen Versuch, das NEB zu definieren, können wir nun versuchen zu verstehen, was sie in der Praxis bedeuten wird. Angesichts der bisher sehr abstrakten und aleatorischen Natur des Systems ist die Überlegung, wie die oben genannten Prämissen tatsächlich umgesetzt werden, ein sehr kompliziertes Unterfangen.

Das einzig Konkrete, was die Kommission im Moment festgelegt hat, ist in der Tat der Zeitplan für die Initiative.

Das NEB wird sich tatsächlich in drei Phasen entfalten:
1. „Gemeinsame Gestaltung“, Ende 2020 - Mitte 2021.
Ziel ist es, an das Bestehende anzuknüpfen, um zu sehen, wo und wie das NEB gute Ideen beschleunigen, konkretisieren und materialisieren kann. Das Ergebnis soll ein Rahmenwerk sein, das eine Ausschreibung für mindestens fünf "Pilotorte" beinhaltet, an denen das neue Bauhaus- Konzept materialisiert werden kann.
Die effizientesten Finanzierungswege für diese Initiative werden ebenfalls erforscht. 2. „Realisierung“, Ende 2021 - Ende 2023 und darüber hinaus.
Ziel ist die Schaffung und der Start von mindestens fünf NEB-Piloten sowie der Aufbau einer "Community of Practice", bestehend aus allen Teilnehmern der Konzeptionsphase, zur Überwachung der fünf Piloten.
3. „Verbreitung“, Anfang 2023 - Ende 2024 und darüber hinaus.
Ziel ist es, gute Ideen und Konzepte an ein breiteres Publikum zu verbreiten, nicht nur in Europa, sondern auch darüber hinaus. Es geht um die Vernetzung und den Wissensaustausch unter Fachleuten über die besten verfügbaren Methoden, Lösungen und Prototypen, um die besten Praktiken überall zu replizieren und gleichzeitig zu versuchen, eine neue Generation von Architekten und Designern zu inspirieren.
Diese drei Phasen können auch parallel ablaufen, ohne sich gegenseitig auszuschließen, aber die Kommission hat betont, dass diese Zeitrahmen vorerst als erste Leitlinien zu betrachten sind.

Bei dem Versuch, die Analyse des NEBs abzuschließen, wird deutlich, dass das Bild, das sich ergeben hat, notwendigerweise noch sehr vage ist; es zeichnen sich jedoch einige greifbare Elemente ab.

Um zu versuchen, den grünen Übergang zu beschleunigen, hat die Kommission NEB Awards ins Leben gerufen. Diese sind als Preise gedacht, um bestehende Beispiele für gute Praxis hervorzuheben.

Die Preise werden in 10 verschiedenen Kategorien vergeben, wobei es in jeder Kategorie zwei Auswahlmöglichkeiten gibt:
• Preise für bestehende Beispiele und bereits abgeschlossene Projekte (Geldwert jeweils 30.000 Euro).
• Preise für Ideen und Konzepte von jungen Talenten bis 30 Jahre (Geldwert jeweils 15.000 Euro)
Anmeldeschluss und Bewerbungsfrist ist der 31. Mai 2021 (Kategorien und Bewerbungsinfos im Hinweis).

Eine weitere Maßnahme, die die Kommission zu unterstützen versucht hat, ist die Entwicklung von lokalen Initiativen, die die Werte des NEBs in konkrete und greifbare Maßnahmen umsetzen.
Diese Initiativen, die ganz im Geiste des Neuen Europäischen Bauhauses (zusammengefasst im Dreieck "Schön - Nachhaltig - Inklusiv") stattfinden sollen, haben in der Tat die zweifache entscheidende Aufgabe, einerseits die Zivilgesellschaft mit den Prämissen des Green Deals zu verbinden, sowie die theoretischen Prinzipien in konkrete und greifbare Aktionen und Projekte umzuarbeiten.

Genau in diesem Sinne freuen wir uns über eine lokale Initiative auf Südtiroler Ebene, die als Wegbereiter für diese neue "Kulturbewegung" fungieren wird.
Eine bahnbrechende Partnerschaft zwischen der Klimahausagentur, Eurac Research und der Freien Universität Bozen (ebenfalls unterstützt von der Autonomen Provinz Bozen) wird Anfang Juli ein Treffen zu diesem Thema ins Leben rufen.

Diese "Kick-off-Veranstaltung" zeigt einmal mehr, dass Südtirol seit jeher äußerst aufgeschlossen und oft an vorderster Front für Innovationen ist, die den gesamten europäischen Kontinent betreffen.
In der Hoffnung, aber auch in der festen Überzeugung, dass das Südtiroler Territorium in der Lage sein wird, den Geist des NEBs zu erfassen und umzusetzen, bleibt nur noch zu betonen, wie diese lokale Bewegung das ganze Potenzial hat, durch ihre Aktionen auch die umliegenden Gebiete zu beeinflussen und so zu einem Beispiel jener "guten Praktiken" zu werden, die auf der europäischen institutionellen Ebene so begehrt und gesucht werden.

 

Firma Joschua

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