In der aktuellen Debatte, wie die Prämissen des Green Deals konkret in Maßnahmen umgesetzt werden können, um Europa "nachhaltiger, schöner und inklusiver" zu machen, kannibalisieren Städte (ergo "Smart Cities") oft den Fokus der Diskussion.

Ist die aufgeregte Aufmerksamkeit gegenüber dem Konzept "Smart City", die an einen regelrechten Hype grenzt,  gerechtfertigt, wenn wir uns die Auswirkungen ansehen, die Smart Cities auf die Zukunftsaussichten Europas haben könnten?

Auf diese Frage wird dieser Kurzartikel versuchen, eine bescheidene und konzise Antwort zu geben.

 

Das Coronavirus wird die Welt für immer verändern.

Dies war der Titel eines Artikels in Politico, bekannte amerikanische Zeitung, in dem viele Experten mehrere drastische Veränderungen vorhersagen, die in der Gesellschaft als Folge der Covid-19-Pandemie auftreten werden.

Über den schlagwortartigen Titel hinaus wird uns die Pandemie zweifellos dazu zwingen, noch tiefer über das Thema der großen Herausforderungen der gesellschaftlichen Transformation nachzudenken, die die Menschheit vor sich hat.

Gerade das Thema der großen gesellschaftlichen Veränderungen, bei denen die mögliche Verschärfung der sozialen Ungleichheit im Vordergrund steht, ist schon lange Teil der politischen Agenda der europäischen Institutionen.

Ohne zeitlich zu weit zurückzublicken, können wir in der Tat feststellen, dass die Kommission bereits 2010 mit dem Start der "Europa 2020-Strategie" eine Linie angedeutet hat, um die europäische Wirtschaft in Richtung eines Modells voranzubringen, das auf intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum ausgerichtet ist.

Innerhalb dieser Strategie hat die Europäische Kommission zum ersten Mal auch die Rolle, die den Smart Cities („SC“) zugeschrieben wird, klar bezeichnet.
Im Kampf gegen die großen gesellschaftlichen Veränderungen (z. B. Bevölkerungswachstum, zunehmende Umweltverschmutzung, Klimawandel, Knappheit der natürlichen Ressourcen) könnte die Einführung „smart solutions“ durch die Städte eine Schlüsselrolle spielen.

Während der letzten Jahrzehnte, insbesondere des gerade vergangenen, ist die akademische und mediale Aufmerksamkeit gegenüber dem Konzept der "Smart City" stetig und exponentiell gestiegen.

Ein konkreter Beweis dafür ist die Diskussion, die durch die von der Kommission ins Leben gerufene Initiative „New European Bauhaus“, angestoßen wurde. In der aktuellen Debatte, wie die Prämissen des Green Deals konkret in Maßnahmen umgesetzt werden können, um Europa "nachhaltiger, schöner und inklusiver" zu machen, kannibalisieren Städte (ergo "SC‘s") oft den Fokus der Diskussion.

Diese Beobachtung zwingt sofort zu einer Überlegung: Ist diese aufgeregte Aufmerksamkeit, die an einen regelrechten Hype grenzt, gerechtfertigt, wenn wir uns die Auswirkungen ansehen, die Smart Cities auf die Zukunftsaussichten Europas haben könnten?

Auf diese Frage wird dieser Kurzartikel versuchen, eine bescheidene und konzise Antwort zu geben.

Als erstes muss versucht eine geeignete Definition für das betreffende Objekt zu finden. Da es in akademischen Kreisen (wie so oft) keine eindeutige und akzeptierte Definition des Konzepts ab omnibus gibt, schien die folgende für den Zweck unserer Analyse am konformsten: eine Stadt, die durch die Integration von Wissen, Strukturen und technologisch fortschrittlichen Mitteln gekennzeichnet ist, typisch für die Kommunikations- und Informationsgesellschaft, mit dem Ziel eines nachhaltigen Wachstums und der Verbesserung der Lebensqualität.

Betrachtet man nun kurz die Vor- und Nachteile von Smart Cities, so ergibt sich im akademischen Bereich ein sehr kontrastreiches Bild.

Unter den positiven Aspekten wird oft betont, dass SC‘s das Potenzial haben, Investitionen in technologische Innovationen (in erster Linie Künstlicher Intelligenz, KI) zu stimulieren, die eine deutliche Effizienzsteigerung in verschiedenen Bereichen des städtischen Lebens bewirken können: Mobilität, Gesundheitswesen und Dienstleistungsbranche, um nur einige zu nennen.
Da Städte auch wesentlich zur globalen Erwärmung beitragen - einige Schätzungen gehen davon aus, dass sie für 75 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind - liegt auch die Möglichkeit eines massiven positiven Beitrags zur Lösung des Klimaproblems auf der Hand. Die mögliche Umsetzung intelligenter und umweltfreundlicher Lösungen zur Emissionsreduzierung macht das Konzept der SC‘s in der Tat zu einer potenzialen Schatztruhe im Kampf gegen den Klimawandel.

Betrachtet man hingegen die negativen Aspekte und vor allem die Risiken, die SC‘s mit sich bringen, wird aus dem oben beschriebenen rosigen Bild schnell ein potenziell katastrophales.
Unter den Hauptrisiken, die in Bezug auf die Implementierung von intelligenten Lösungen in Städten identifiziert wurden, können wir als erstes dasjenige erwähnen, das mit der Behandlung und dem Umgang mit Daten zusammenhängt.

In der Tat, wie von Chatterjee et al. (2019) hervorgehoben, machen die Bedrohungen, die sich aus der Informationssicherheit, dem Datenschutz und cyberbezogenen Faktoren deutlich, wie wichtig es ist, diese Themen bereits in der Entwurfs- und Entwicklungsphase von SC‘s anzugehen.
Andernfalls besteht die Gefahr, dass soziale Ungleichheiten vertieft werden und die Benachteiligten zurückbleiben-
Ein zweiter kritischer Faktor betrifft das Risiko, das diese intelligenten Lösungen für die Aufrechterhaltung des demokratischen Systems darstellen.
In den letzten zehn Jahren hat nämlich die Ausbreitung von Sensoren und Datenerfassungsmaschinen in "SC‘s" sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor demokratische Herausforderungen rund um KI, Überwachungskapitalismus und den Schutz der digitalen Rechte der Bürgerinnen und Bürger geschaffen.

Wie ist also, angesichts des Bildes, das wir synthetisch zu zeichnen versucht haben, dieser Übergang zu immer mehr SC-Lösungen zu bewerten?
Es wird deutlich, wie diese Lösungen gleichzeitig sowohl enorme Potentiale als auch extreme Risiken für die Aufrechterhaltung der sozialen Struktur der Städte mit sich bringen.

Die Entwicklung von SC-Lösungen könnte daher sowohl den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen als auch den Lebensstandard der Bürger erhöhen, aber auch die bestehenden sozialen Ungleichheiten verstärken und das demokratische System aufbrechen.
Die beste Lösung besteht unserer Meinung nach darin, die größtmögliche Anstrengung zu unternehmen, um das Thema weiterhin zur Diskussion zu stellen. Gleichzeitig müssen so viele Bürger wie möglich durch gesellschaftliche Beratungen in den Entscheidungsprozess über die Umsetzung intelligenter Lösungen einbezogen werden.

Was bereits, mit großer Freude, festgestellt werden kann, ist dass die Europäische Kommission in diesem Bereich eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Mit der „General Data Protection Regulation“ (GDPR), die 2018 in Europa in Kraft getreten ist, hat die Kommission tatsächlich eine Verordnung auf den Weg gebracht, die das Datenschutzrecht europaweit harmonisiert und darauf abzielt, die Daten der Bürger zu schützen und den Menschen die Kontrolle über ihre eigenen Daten zu geben.

Die Hoffnung bleibt, dass dies nur der Anfang eines Prozesses ist, der sicherlich aufwändig und kompliziert ist, der aber dazu beitragen kann, die vor uns liegende Transitionsphase in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

Firma Joschua

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