Am 9. November 2016 hat die gemeinsame Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Kooperation mit ICLEI, dem internationalen Verband für nachhaltige Entwicklung und Umwelt, eine Konferenz zum Thema Kreislaufwirtschaft organisiert. Die Debatten wurden von Peter Defranceschi, Geschäftsführer vom ICLEI Brüssel Büro, moderiert und von Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments, eröffnet.

Dorfmann definierte die Krauslaufwirtschaft als Gegenteil der Linearwirtschaft. Das heutige Modell der Linearwirtschaft baut auf großen Mengen von günstigen, leicht zugänglichen Materialen und Energien auf und erreicht seine physikalischen Grenzen. Im Gegensatz dazu ist die Kreislaufwirtschaft eine attraktive und sinnvolle Alternative, die Unternehmen bereits zu erforschen beginnen. Sie stellt auf einen kontinuierlichen positiven Entwicklungszyklus ab, der Naturkapital bewahrt, Ressourcenerträge optimiert und durch die Verwaltung von Ressourcen und durch Wiederverwendung, Reparatur und Recycling von Materialien, Systemrisiken minimiert. Des Weiteren betonte Dorfmann die Auswirkungen des Pakets der Kreislaufwirtschaft auf lokaler und regionaler Ebene und unterstrich das enorme Potenzial der Regionen und Städte in diesem Bereich. Flexibilität sei hier gefordert, um den weniger entwickelten Regionen den Übergangsprozess zu ermöglichen und bei den weiter fortgeschrittenen Regionen die Kreislaufwirtschaft auch künftig weiterzuentwickeln.

Joanna Drake, stellvertretende Generaldirektorin der Generaldirektion Umwelt, präsentierte als zweite Sprecherin die jüngste Arbeit der europäischen Kommission im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Letztes Jahr wurde ein ehrgeiziges Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet, das einen überarbeiteten Legislativvorschlag für Abfälle enthielt, um den Übergang Europas zu einer Kreislaufwirtschaft zu fördern. Des Weiteren soll durch das Paket die globale Wettbewerbsfähigkeit gesteigert, nachhaltiges Wirtschaftswachstum begünstigt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Kreislaufpaket besteht aus einen EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft mit Maßnahmen, die den ganzen Lebenszyklus abdecken: von Produktion und Verbrauch bis zur Abfallbewirtschaftung und dem Markt für Sekundärrohstoffe. Zudem werden Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament geführt; eine Stellungnahme wird für Jänner 2017 erwartet. Der neue Ökodesign-Arbeitsplan soll noch vor Ende des Jahres angenommen werden. Drake unterstrich die wichtige Rolle der Innovation als wesentlicher Treiber zum Übergang zu neuen Technologien und neuen industriellen Modellen. Darüber hinaus muss die Kommission aufzeigen, dass die EU in der Lage ist, das Potential der Finanzierung (insbesondere durch Horizont 2020, die Kohäsionspolitik und den Europäischer Fonds für strategische Investitionen) zu nutzen. In diesem Prozess benötige die EU die Unterstützung der Regionen mit Bottom-up-Initiativen: Drake unterstrich die Bedeutung der Sensibilisierung in diesem Übergangsprozess. Die lokalen Behörden sind in diesem Zusammenhang in der privilegierten Situation, Instrumente für die Umsetzung zu kreieren. Des Weiteren können Sie von der Möglichkeit profitieren, neue Infrastrukturen für ihre BürgerInnen und für die lokale Wirtschaft zu schaffen.

Nach diesen Vorträgen konzentrierten sich die folgenden Sprecher auf die regionale und lokale Perspektive. Giuilio Angelucci, Direktor des Landesamtes für Abfallwirtschaft in Südtirol, gab einen Überblick über Bozens Best Practices im Bereich Kreislaufwirtschaft und unterstrich dabei insbesondere die zentrale Rolle der Mülltrennung. Alessandro Gretter, Edmund Mach Stiftung in Trentino, präsentierte einige Initiativen, die von der Stiftung mit dem Ziel durchgeführt werden, die Zirkularität in alle Bereichen der Gesellschaft zu bringen und die Vielfalt der Natur zu bewahren. Im Speziellen präsentierte er zwei Projekte: „Cadino biodigestor“ und „Celle ipogee“ (zwei U-Bahn-Zellen in Nonstal, die zur Lagerung von Früchten verwendet werden). Als Dritter in dieser Diskussionsrunde stellte Bruno Oberhuber, Geschäftsführer von Energie Tirol, das Tiroler Energiepaket 2050 vor. Im Kern von „Tirol 2050 energieautonom“ steht die Formel „50/30“. Bis zum Jahr 2050 soll der Energieverbrauch in Tirol halbiert und der Anteil an erneuerbaren Energieträgern um 30 % erhöht werden. Um den Wandel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu meistern, muss die Gesellschaft dazu motiviert werden, erneuerbare Energien zu nutzen und Energieverschwendung zu reduzieren.

Nach den Präsentationen folgte noch eine interaktive Podiumsdiskussion, die sich auf die Herausforderungen und Potentiale der Kreislaufwirtschaft auf regionalem und lokalem Niveau fokussierte. Alessandro Carano, GD ECFIN, Europäische Kommission, der an dem Investmentplan für Europa arbeitet, zeigte die verschiedenen Fördermöglichkeiten im Bereich der Kreislaufwirtschaft auf, insbesondere durch den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen. Er präsentierte eine neue Plattform, die in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank entwickelt wurde. Diese enthält mehrere Projekte, die von regionalen oder lokalen Behörden, die eine bestimmte finanzielle Erfahrung aufweisen, gesponsert werden sollen. Andere ähnliche Instrumente sind die europäische Plattform für Investitionsberatung der Europäischen Investmentbank und das Europäische Investitionsvorhabenportal (EIPP) der Europäischen Kommission.

Simon Wilson, Vertreter der Green Alliance und Koordinator der Alliance for Circular Economy Solutions (ACES), betonte das Potential der Europäischen Kommission durch das Paket der Kreislaufwirtschaft die Beschäftigung zu erhöhen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt unter anderem, dass Biowirtschaft das Potential hat, insgesamt die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Italien zu steigern. Des Weiteren zeigte Wilson die verschiedenen Herausforderungen auf, denen sich die Kreislaufwirtschaft stellen muss, wie beispielsweise das Fehlen von Richtlinien im öffentlichen Auftragswesen in diesem Bereich, die Komplexität durch Bürokratie, das Problem der Bewusstseinsbildung und die Erhöhung des Standards von Sekundärmaterialien.

Delphine Lévi Alvarès präsentierte die Arbeit von Zero Waste Europe, einer Organisation, die das Ziel verfolgt, Restmüll zu beseitigen. Sie unterstrich den Bedarf an gemeinsamen Verfahren: Es gehe hier nicht darum, mehr Regeln ins System zu bringen, sondern um die Betrachtung der einzelnen Gemeinden und die Berücksichtigung ihrer Besonderheiten.

Zum Schluss betonte Philippe Naudet, Projektmanager der ACR+, die wichtige Rolle dieses internationalen Netzwerkes von Städten und Regionen, die die besten Verfahren und Strategien im Bereich Müllmanagement und Kreislaufwirtschaft teilen. Lokale Behörden seien Vermittler im Übergangsprozess, da sie mit den Interessensvertretern vor Ort in Verbindung stehen, so Naudet. Diese Nähe ist signifikant und muss mit Kooperationen im öffentlichen und privaten Sektor und NGOs verbunden werden, um diesen Bereich für Best Practices und Förderungsstrategien zu öffnen.

 

P1070214

Joanna Drake, Herbert Dorfmann und Peter Defranceschi (moderator)

P1070253

Interaktive Podiumsdiskussion zwischen Alessandro Carano, Simon Wilson, Delphine Lévi Alvarès und Philippe Naudet

P1070267

Bruno Huber, Delphine Lévi Alvarès, Peter Defranceschi, Giulio Angelucci, Philippe Naudet, Alessandro Gretter, Valeria Liverini, Richard Seeber und Vesna Caminades

Tags: Newsenergy_and_environment_DE