Eusalp: Ein Motor für Europas Wachstum


Im Rahmen der „European Week of Regions and Cities“ (EWRC), die vom 10. bis 12. Oktober in Brüssel stattfand, wurde eine Debatte am Sitz der Lombardei Delegation abgehalten. Im Fokus der Debatte stand die makroregionale Strategie für den Alpenraum. Aufgrund des engen Bezuges der Strategie zu den lokalen Gegebenheiten der drei Regionen der Euregio war das Thema von zentraler Bedeutung, insbesondere hinsichtlich der Reden des Präsidenten der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, Arno Kompatscher und Boglarka Fenyvesi-Kiss, Amtsträgerin der Autonomen Provinz Trient und Leiterin der Aktionsgruppe 3. Das hochrangige TeilnehmerInnenpannel befasste sich mit Innovation und Tradition und beleuchtete insbesondere die Frage der Identität, die Bedeutung der Teilnahme in der makroregionalen Strategie und den Möglichkeiten, die sie bietet, sowie die Auswirkungen, die Eusalp auf territoriale Politiken haben kann. Des Weiteren hat Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments, an der Konferenz teilgenommen.


Der erste Teil der Konferenz befasste sich mit den allgemeinen Aspekten der Eusalp Strategie, zukünftigen Erwartungen und konkreten Projektergebnissen, die in der letzten Programmperiode hervorgebracht wurden. In diesem Zusammenhang betonte Präsident Kompatscher die vier Grundelemente, die der makroregionalen Strategie zugrunde liegen und zwar Identität, Innovation, Herausforderungen und Konsens. Zu den Herausforderungen der alpinen Regionen zählt insbesondere die bestehende geografische aber auch mentale Distanz zu den nationalen Hauptstädten, die die Bedürfnisse dieser besonderen Regionen nicht zur Gänze verstehen. Diese Herausforderung müsse, laut Kompatscher, in eine Chance umgewandelt werden, um mit einem bottom-up-Ansatz aufzutreten, in dem durch die Nutzung regionaler Erfahrungen der Makroregionen gemeinsame grenzüberschreitende Lösungen gefunden werden. Des Weiteren erläuterte der Präsident die Aktivitäten der Aktionsgruppe 3 (Verbesserung der Arbeitsqualität), 4 (Mobilität) und 9 (Energieeffizienz), die jeweils von Trentino, dem EVTZ (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit) und Südtirol koordiniert werden. Dabei betonte er vor allem die Wichtigkeit der Diversifizierung durch neue Formen der Nahrungsmittelerzeugung, beispielsweise durch Einbeziehen von Menschen mit Behinderungen in kleinen Berglandwirtschaften. Bezugnehmend auf den Verkehr unterstrich er das Bedürfnis nach intelligenten Preispolitiken, die von der makroregionalen Strategie für den Alpenraum getragen werden sollen und erwähnte in diesem Zusammenhang die Errichtung des Brenner Basis Tunnels. Darüber hinaus sprach auch Peter Kaiser, Landeshauptmann von Kärnten, über die Wichtigkeit von nachhaltigen Lösungen, um den Herausforderungen der Mobilität zu entsprechen. Deshalb müsse auch das Thema „Green Economy“ zu einem Schwerpunkt der Strategie werden, beispielsweise hinsichtlich der Rolle der Naturparks, die Tourismus mit Respekt vor der Natur verbinden.
Die Wichtigkeit der Festlegung einer makroregionalen „bottom-up“ Strategie wurde auch von anderen RednerInnen hervorgehoben: Die Eusalp Plattform ist ideal für den Austausch von Fachwissen zwischen Regionen und für die gemeinsame Befassung mit den großen Herausforderungen, welchen sich die Alpenregionen stellen müssen, wie dem Klimawandel, dem Wachstum von grüner Wirtschaft, der nachhaltiger Mobilität und dem Bedürfnis die digitale Kluft zu überwinden. Selbst das Problem Arbeitslosigkeit und Bevölkerungsrückgang in alpinen Regionen wurde von verschiedenen RednerInnen untersucht und darauf hingewiesen, dass gezielte Politiken für ländliche Gegenden signifikante Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben können. Insbesondere die Wichtigkeit der Erarbeitung allgemeiner Lösungen wurde betont, um Arbeit in den Alpenregionen für junge Menschen attraktiver zu machen. Dies könne durch die Schaffung eines Förderrahmens durch Verwendung von Instrumenten wie das Jugendparlament gemacht werden, so Peter Kaiser. Es ist deshalb entscheidend, zukunftsorientierte Aktivitäten zu planen, um eine neue Vision der Alpen an eine zukünftige Generation weiterzugeben.


Der zweite Teil der Konferenz fokussierte die technischen Aspekte der Tourismusindustrie in der Makroregion. Silvia Draghi, Mitglied des Referats Tourismus der GD GROW, unterstrich die Bedeutung des Tourismus als außerordentlich wichtigen Sektor in Europa, der 10% des europäischen BIP und 25 Millionen Arbeitsplätze umfasst. Der Sektor wird sich bis 2030 im Wachstum befinden, jedoch werden mehr gezielte Politiken für InteressensvertreterInnen des Sektors benötigt. Die Europäische Kommission spielt dabei eine Rolle in der Koordination und fördert einen europäischen, nachhaltigen und innovativen Tourismus. Fenyvesi-Kiss, Koordinatorin der Aktionsgruppe des Trentinos, betonte dabei speziell die neuen Aspekte eines modernen Tourismus, welcher auf drei Schlüsselaspekte basiert: Erfahrung, wissenschaftliche Erkenntnisse und Emotionen. Trentino nahm das 2016-2018 Programm an, das wiederum zwei Hauptthemen umfasst: Vielfalt und saisonale Anpassung. Es ist in der Tat wichtig, die Herausforderungen, die in der Lücke zwischen Winter und Sommer entstehen, anzugehen und das Beste aus den natürlichen Ressourcen zu machen, verbunden mit einer bewussten Verwendung neuer Technologien und der Entwicklung eines vielseitigen Tourismusangebots, das den unterschiedlichsten Anforderungen gerecht wird. Ein weiterer Vorteil der aus der Beseitigung resultiert, ist die Umformung von gewöhnlich saisonal befristete in unbefristete Arbeitsplätze für lokal ansässige und hochqualifizierte junge Menschen.


Von besonderem Interesse waren auch die Beiträge der anderen Sprecher, einschließlich Fabrizio Sala, Vizepräsident der Lombardei, Davide Donati, Direktor der Piemont Region, Augusto Rollandin, Präsident der autonomen Region Aostatals und Andreja Jerina, nationale Koordinatorin des slowenischen Außenministeriums. Sie sprachen über die Auswirkungen von Klimawandel auf das Tourismusgeschäft, die Notwendigkeit einer verstärkten Digitalisierung in den Alpenregionen, die Attraktivität der Region im Zusammenhang mit einer gesunden Umgebung und den Problemen hinsichtlich schlechter Erreichbarkeit und Bevölkerungsabwanderung in gewissen alpinen Gebieten. Die Debatte endete mit einer Einladung zur Kooperation, welche ihren Fokus auf der Umwelt in den Alpen und der historischen, kulturellen und natürlichen Tradition haben sollte. Um diesen allgemeinen Herausforderungen zu begegnen, sind die entscheidenden Elemente ein koordiniertes Vorgehen und Teamarbeit im Politikgestaltungsprozess, bei dem alle Regionen eine Rolle spielen.

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