Am 28. November hat die Europäische Kommission den Tourismustag 2017 organisiert. Dieses Jahr war das zentrale Thema der Veranstaltung die Zukunft des Tourismus in Europa. Dabei wurden Themen diskutiert, wie etwa der Zugang zu Förder- und Finanzmitteln im kommenden mehrjährigen EU-Finanzrahmen (post-2020) sowie die Tourismus-Wertschöpfungskette und ihre Auswirkungen auf den Verbraucher, auf die Geschäftswelt und auf die lokale Bevölkerung. Zuletzt wurde auch auf die Zukunft der Governance des Tourismus in der EU, auf nationaler und lokaler Ebene, eingegangen.

An der Konferenz nahmen über 400 Teilnehmer statt, Vertreter der Kommission, aus den EU-Institutionen und hochrangige Vertreter von nationalen und lokalen Behörden. Es äußerten sich auch Vertreter der Tourismus- und Reisebranche sowie weitere relevante Interessensvertreter, zu den oben genannten Themen.

Bei der politischen Debatte über die Zukunft des Tourismus kam Folgendes hervor:
- Die Infrastruktur muss weiterentwickelt werden, sei es auf regionaler, nationaler als auch auf EU-Ebene, um der ansteigenden Zahl der Touristen, die jedes Jahr nach Europa kommen, gewachsen zu sein. Hierbei spielt die Nachhaltigkeit eine besondere Rolle; diese sollte beim Ausbau immer berücksichtigt werden. Die europäischen Regionen sollen zudem besser verbunden werden; Investitionen in den Straßen- und Schienenverkehr sollen getätigt werden. Vor allem im Osten Europas mangelt es noch an effizienter Anbindung.
- Auch die Unterbringungsmöglichkeiten müssen weiterentwickelt werden; Investitionen in Hotels und Wellnesscentern müssen getätigt werden, um eine einheitliche territoriale Entwicklung zu gewährleisten.
- Der Tourismussektor wächst weiter; der chinesische Tourismus in Europa stellt eine Change dar, die genutzt werden muss. Jedoch muss man sich dieser Art von Tourismus auch anpassen, was wiederum mit Investitionen geschehen soll. In Estland gibt es beispielsweise schon Straßenschilder auf Mandarin, um den chinesischen Touristen entgegenzukommen.
- Es wurde auch über den Brexit gesprochen und die Auswirkungen, die dieser auf die Branche hat. Der politische Populismus ist der größte Feind, der einem gemeinsamen Europa gegenübersteht und einem gemeinsamen, europäischen Tourismus.
- Es wurde auch über eine Umstrukturierung des Kommissar-Portfolio gesprochen: Die Forderung, nach einem/einer europäischen KommissarIn für Tourismus, kam hervor.
- Kluge Investitionen sollen getätigt werden: Die lokalen- und Gebietskörperschaften haben oft keine Tourismusstrategie und bieten zu wenig Innovation an. Man muss den verschiedenen, wandelnden Modetrends gewachsen sein und ständig auf dem Laufenden bleiben.
- Das Potenzial des digitalen Zeitalters muss ausgeschöpft werden: Dabei soll an den Fremdsprachen angeknüpft werden. Viele Hotels haben immer noch keine Webseite, und wenn doch, dann ist diese oft nur in der (lokalen) Sprache verfügbar. Unterkünfte sollen diese zumindest auch auf Englisch zur Verfügung stellen (andere Sprachen, wie Mandarin, sollten darüber hinaus in Betracht gezogen werden). Sehr viele Anfragen, die auf Englisch getätigt werden, werden oft nicht einmal beantwortet.
- Ein Qualitätstourismus zahlt sich auf Dauer, auch in Bezug auf die lokale Bevölkerung, aus. Diese ist oft einem Quantitätstourismus nicht gewachsen. Es wurde folgendes Beispiel genannt: Ein Kreuzfahrtschiff macht halt in einer kleinen nordeuropäischen Stadt. Man könnte denken, dass es positiv für die Stadt ist, dass an einem Tag hunderte Besucher kommen. Studien jedoch haben gezeigt, dass diese Art von Touristen im Durchschnitt weniger Geld ausgeben, als jene, die bewusst in die Stadt kommen und einige Tage dort verbringen. Die Stadt und dessen Infrastrukturen sind überlastet. Anhand dieses Beispiels wird klar, dass sich ein Qualitätstourismus, wenn er gezielt vermarktet wird, rentabler für die Stadt und die lokale Bevölkerung ist.
- Flexibilität ist sehr wichtig im Tourismussektor.
- Wenn man heutzutage nicht im Web ist, existiert nicht (für den Tourismussektor). Die jüngeren Generationen sind vermehrt auf verschiedene Plattformen unterwegs (Booking.com, TripAdvisor, Trivago usw.).

Bei der Debatte über die zukünftigen Prioritäten des Tourismussektors und Investitionen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene kam hervor:
- Human resources - ein qualifiziertes Personal, welches mit der Digitalisierung des Sektors umgehen kann, ist ausschlaggebend. Es soll in Schulungen und Ausbildungsprogrammen investiert werden.
- Der Tourismus muss auch in den EU-Institutionen eine zentralere Rolle spielen (Stichwort: KommissarIn für Tourismus).
- Der Zugang zu Finanz- und Fördermittel der Branche soll verbessert werden. Auch kleine- und mittelgroße Betriebe (sog. KMU) sollen einen erleichterten Zugriff erhalten.
- Programmierung des Tourismus: Dieser soll besser verteilt werden, um eine Überbelastung gewisser Zonen zu vermeiden (auch ländliche Gebiete sollen den Touristen „schmackhaft“ gemacht werden, durch gezielte Werbung).
- Wenn in öffentlichen Infrastrukturen (Flughäfen, Wasserleitungen, Strom- und Kraftwerke usw.) investiert wird, wird der private Sektor folgen.
- Bis zum Jahre 2030 soll der Sektor um 50 % ansteigen.
- Die asiatischen Länder sehen Europa als Ganzes, nicht als vereinzelte Staaten; grenzüberschreitendes Reisen soll in Europa erleichtert werden: Visaregelungen sollen verbessert werden, die Verbindungen müssen ausgebaut werden, die Preise gesenkt werden, Werbung soll gezielt für ländliche Gebiete, die zwischen den „europäischen Highlights“ liegen, gemacht werden (z.B. Ein asiatischer Tourist möchte Rom und Paris besichtigen. Er fragt sich, was dazwischen liegt. Durch gezielte Werbung könnte dieser Tourist einen Zwischenstopp in einem ländlichen Gebiet machen. Somit würde der Sektor verteilt werden und einer Überbelastung entgegengewirkt werden).
- Die Plattform ERRIN (European Regions Research and Innovation) dient einem Wissensaustausch, der auch der Tourismusbranche zugutekommt. Die Nachhaltigkeit muss in Zukunft immer vor Augen gehalten werden und der Sektor muss daran angepasst werden.
- Man muss einen Weg finden, die Daten der Tourismusindustrie auch auf europäischer Ebene zu sammeln und diese gezielt einzusetzen, wie es derzeit schon die „big Player“ machen (Booking.com, Airbnb usw.).
- Es gibt weltweit einen Fachkräftemangel in der Tourismusbranche.
- Die Komplexität des Rechts ist ein Problem v. a. für KMU.

Bei der Debatte über die Wandlung des Tourismussektors kam hervor:
- Der Tourismus verändert Menschen und Orte, sei es ins Gute als auch ins Schlechte (wenn man der Herausforderung nicht gewachsen ist und keine effiziente Strategie hat). Ein Negativbeispiel ist Barcelona: Die Stadt hat versucht den Tourismus zu verringern, indem sie eine feste Anzahl der Betten beschlossen hat. Durch moderne Plattformen wie Airbnb und Couchsurfing hat dies jedoch zum genauen Gegenteil geführt: Die Stadt erlebt nun in gewissen Teilen eine Überbelastung; Infrastrukturen fehlen; andere Stadtteile werden wiederum von der Branche gar nicht wahrgenommen. Man versucht jetzt, auch in der Stadt selbst den Tourismus besser zu verteilen.
- Man muss das Phänomen des „Overtourism“ – der Überbelastung von Tourismus, mit gezielten Maßnahmen angehen.
- Auch lokale Akteure müssen sich in den neuen Wertschöpfungsketten einbringen. Die Nachfrage von Seiten der Verbraucher ist da. Es gibt derzeit schon Abkommen zwischen Airbnb und lokalen Körperschaften, die für beide positive Auswirkungen haben (Einnahme an Steuergelder; der Überbelastung gewisser Gebiete wird entgegengewirkt usw.). Moderne Plattformen sollten nicht als Gefahr, sondern als Potenzial gesehen werden. Sie existieren und werden auch nicht wieder verschwinden, weshalb man Lösungen finden muss, mit diesen umzugehen, sodass alle beteiligten einen Nutzen davontragen können.
- Die Verbraucher achten immer mehr auf einen nachhaltigen Tourismus.
- Durch Ökolabels kann der Sektor qualitativ verbessert werden.
- Die Sicherheit im Tourismussektor muss verschärft werden. Viele Betriebe sind nicht mehr auf den neusten Stand und es gibt erhebliche, gesundheitliche Risiken (auch Brandschutzgefahr ist ein Thema).

Den vollständigen Bericht finden Sie hier

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