Am 9. November fand in der Vertretung des Landes Hessen eine Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Das System Milch – Milchproduktion und -vermarktung in einer globalisierten Welt“ statt.

Jährlich werden in Europa etwa 200 Millionen Tonnen Milch und Milchpulver produziert. In Europa geht es um einen Markt von 100 Milliarden Euro. Aus dem Geschäft mit der Milch ist eine milliardenschwere Industrie geworden, die dafür sorgt, dass der Milchkonsum weltweit konstant weiter ansteigt. Der Dokumentarfilm „Das System Milch“ beleuchtet, wer die Nutznießer dieses Milliardengeschäfts sind und was der starke Milchkonsum bei Menschen und Umwelt anrichtet, und klärt darüber auf, welche Verantwortung Politik und Konsumenten haben. Nicht zuletzt wird die Frage aufgeworfen, welche Alternativen es zur hochtechnisierten Milchindustrie gibt. Zu Wort kommen dabei Landwirte, Industrielle, Wissenschaftler und weitere Experten.
Der renommierte Südtiroler Dokumentarfilmregisseur Andreas Pichler („Das Venedig Prinzip“, „Der Pfad des Kriegers“, „Call Me Babylon“) wurde für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnet. „Das System Milch“ erhielt 2017 auf dem Fünf Seen Filmfestival den Horizonte-Preis.

An der im Anschluss des Films stattfindenden Podiumsdiskussion nahmen teil: Martin Häusling (Mitglied des Europäischen Parlaments), Andreas Pichler (Regisseur des Films „Das System Milch"), Sieta van Keipema (European Milk Board), Simon Schlüter (Deutscher Bauernverband), Nina Holland (Corporate Europe Observatory).

Dabei kam hervor:
- In Südtirol wird die Milch noch als etwas „sauberes“ angesehen; die Menschen denken nicht darüber nach, was für eine Brutalität sich ins Leben der Bauern gedrängt hat.
- Die Verantwortung für das heutige System wird der Politik zugeschrieben; seid der Abschaffung der Milchpreise soll sich diese nicht mehr genügend um die Bauern gekümmert haben.
- Kritik wird auch den Bauernverbänden zugeschrieben, die sich mit den Industrien zusammengetan haben, im Nachteil der Interessen der Bauern.
- Die Liberalisierung des Milchsektors wird kritisiert: durch eine Überproduktion von Milch sind die Preise immer weiter nach unten gesunken, so dass die Bauern heute auf Unterstützung angewiesen sind (die Milchbauern in Europa sind heute auf Subventionen von 30-40% ihres Einkommens abhängig).
- Eine Marktregulierung würde die Probleme der Bauern zum Teil lösen.
- Eine Differenzierung des Berufes der Milchbauern ist notwendig. Sie sollten andere Tätigkeiten ausüben, um auf Dauer überleben zu können, z.B. durch einen eigenen Molkereibetrieb Qualitätskäse herstellen oder Geflügel züchten. Dies ist wiederum nicht immer leicht, da die Bauern oftmals sehr viele Stunden in der Woche arbeiten (viel mehr als ein Durchschnittsarbeiter in Europa; bis zu 70-80 Stunden in der Woche) und nebenher keine differenzierte Tätigkeit ausüben können, und wenn doch, dann nur durch den eigenen Partner.
- Ohne Subventionen sind die Milchbauern heute nicht lebensfähig.
- Die Produktion von Futtermittel v.a. aus Soja hat die Abholzung des Regenwaldes in Südamerika zur Folge. Dieses Futtermittel wird dazu benötigt, dass die Kühe mehr Milch produzieren, als nur durch die Aufnahme von Gras.
- Eine Lösung des Problems könnte in einer Unterproduktion liegen: wenn die Bauern weniger Milch produzieren würden, würden somit die Milchpreise wieder steigen, weil es keine Überproduktion von Milch mehr gäbe (die wiederrum die Preise sinken lässt).

 

Hier geht es zum Bericht der Veranstaltung. 

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