In den letzten Tagen wurde in Brüssel eine Vorschau auf das neue Instrument vorgestellt, mit dem das Cedefop (Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung) Maßnahmen zur Bekämpfung des Schulabbruchs fördern will. Das Cedefop unterstützt die Ausarbeitung von europäischen Strategien zu Berufsbildung (VET, vocational education and training) und trägt zu ihrer Umsetzung bei.

Das Anteil der vorzeitigen Schulabgänger ist seit 2002 für Männer und Frauen kontinuierlich gefallen. Der Rückgang von 17% von 2002 bis 11% im Jahr 2015 repräsentiert stetige Fortschritte auf dem Weg zum Europa 2020, die Richtschnur der Europäischen Kommission für die Förderung von Wachstum und Beschäftigung, die ein Ziel von weniger als 10% setzt. Der europäische Trend zeigt jedoch starke regionale Distinktionen und auch Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedenen Hintergründen. Junge Männer, Ausländer und Angehörige ethnischer Minderheiten sind zum Beispiel eher bereit, die allgemeine und berufliche Bildung mit höchstens der Sekundarstufe zu verlassen.

Es gibt viele Gründe, weshalb einige junge Menschen ihre allgemeinen bzw. beruflichen Bildungsanstrengungen vorzeitig aufgeben: persönliche oder familiäre Probleme, Lernschwierigkeiten oder eine unsichere sozioökonomische Lage. Auch die Struktur des Bildungssystems, das Schulklima und das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern sind wichtige Faktoren. Die Folgen des vorzeitigen Schulabgangs sind vielfältig. Frühe Schulabgänger sind später häufig von Arbeitslosigkeit, sozialer Ausgrenzung, Armut und Gesundheitsproblemen betroffen. Außerdem brauchen Menschen in dem Arbeitsmarkt die richtigen Qualifikationen, um Arbeit zu finden. Bei Menschen mit geringer oder gar keiner Qualifikation besteht eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie keine Arbeit haben, als bei Menschen mit hoher Qualifikation. In der EU haben etwa 75 Millionen Menschen, also fast ein Drittel der Erwerbstätigen, geringe oder keine Qualifikationen und noch heutzutage verlassen zu viele junge Menschen – etwa 15 % ‑ die Schule ohne Abschluss.

Um das Phänomen des früheren Schulabgangs zu bekämpfen, veröffentlich das Cedefop dieses Jahr die neuste Version des „Toolkits zur Bekämpfung von vorzeitigen Schulabbrüchen“. Das Toolkit bietet politischen Entscheidungsträgern, schulischen Fachkräften, Sozialdiensten und Jungorganisationen eine Fülle aus Ressourcen und praktischen Beispielen für wirksame Verfahren zur Förderung des Bildungserfolgs und zur Verhinderung vorzeitigen Schulabgangs. Die Ressourcen im Toolkit sind in sechs Bereiche gegliedert, die je spezifische Maßnahmen und unterschiedliche Ansätze anbieten. Zusätzlich sind jeweils praktische Beispiele und Maßnahmen enthalten.

Das Toolkit führt die neue Figur der sogenannten BotschafterInnen ein, die bei der Verbreitung und Weiterentwicklung des Toolkits helfen sollen. BotschafterInnen können alle Stakeholder werden, die sich mit der Bewältigung des vorzeitigen Schulabbruches aus aller Ebene in Europa befassen. Damit möchten die Forscher die Zivilgesellschaft so weit wie möglich einbeziehen. Laut der Experten von Cedefop ist nämlich das Problem des Schulabbruchs nur ein Aspekt der sozialen Notlage junger Menschen und es muss durch eine Vielzahl von Alternativen bekämpft werden, die nicht unbedingt schulisch bedingt sind. Die Rolle der beruflichen Bildung und der informellen Bildung in den Sozialzentren der Gemeinden spielt, nach ihrer Ansicht, eine Schlüsselrolle bei der weiteren Verringerung dieses Prozentsatzes.

Das Toolkit ist nur eine von mehreren Maßnahmen, die in diesem Bereich von der Europäischen Union, den Mitgliedstaaten und den Landesregierungen durchgeführt wird. In diesem Zusammenhang hat die Autonome Provinz Bozen vor kurzem einen Aufruf zur Projekteinreichung des Europäischen Sozialfonds (ESF) genehmigt. Es werden Projekte für das Schuljahr 2019/20 unterstützt, die in den Bereich der "Maßnahmen zur Verringerung des Schulabbruchs und zur Verbesserung der Schlüsselkompetenzen" fallen.

Nicola Simonetti

 

Hier finden Sie die Pdf-Version zum Download.

Hier finden Sie die Liste der veröffentlichten EU Update.

Tags: EU UpdateCulture and Education desocial affairs deSouth Tyrol