Am 31. Mai fand die Veranstaltung “Energy transition in Europe’s Regions” beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss statt.

Pierre Jean Coulon, Präsident der Fachgruppe Verkehr, Energie, Infrastrukturen, Informationsgesellschaft (TEN) des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), hielt die Eröffnungsrede und betonte, dass Energie eines der wichtigsten Themen für die EU-BürgerInnen ist. Er war der Meinung, dass die europäischen Energieversorger einen stabileren Gesetzesrahmen brauchen und erklärte, dass der EWSA verschiedene Stellungnahmen bezüglich des Winterpakets erarbeitet hat. Er hob die Wichtigkeit hervor, auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen, betonte jedoch, dass die Energiewende nicht von heute auf morgen geschehen kann, sondern dass es dafür entsprechend Zeit brauchen wird. Er erklärte, dass die EU-BürgerInnen in Zukunft mehr Energie benötigen werden und, dass derzeit ungefähr 80% der europäischen BürgerInnen in Städte wohnen. Er betonte auch, dass es wichtig sei, die Sicht der BürgerInnen in die Stellungnahme des EWSA einzubringen.

Michael Kanpe, Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen (Deutschland), erzählte wie eine dezentrale regenerative Energieversorgung im Ortsteil Feldheim der Stadt Treuenbrietzen von Unternehmen, Privathaushalten und Kommunen verwirklicht werden konnte. Bei der Energieversorgung spielen dort drei Akteure eine wesentliche Rolle: die Energiequelle GmbH, die örtliche Agrargenossenschaft „Feldheim eG“ und die Feldheim Energie GmbH & Co., die von den BürgerInnen des Ortes und der Gemeinde gegründet wurde. Die Ortschaft Feldheim verfügt über einen eigenen Windpark mit derzeit 55 Windkraftanlangen, die eine elektrischen Leistung von 122,6 MW produzieren; einen Solarpark, der jährlich 2748 MWh produziert; und einer Biogasanlage mit einer installierten elektrischen Leistung von 526 kW. Die Ortschaft ist dadurch vollkommen energieautark.

Gerard McGovern, Koordinator vom interregionalen Projekt COBEN (Delivering Community Benefits of Civic Energy), erklärte, dass das Pilotprojekt darauf abzielt, die Energie- und Wertschöpfungskette von zentralen Versorgungsunternehmen auf kommunale Unternehmen zu verlagern und den Übergang auf neue Energiequellen zu fördern. Er erklärte, dass das Projekt bis Ende 2019 fortgesetzt werden wird, und dass folgende Regionen involviert sind: Highlands & Islands (Schottland), Ostflandern (Belgien), Emmen (Niederlanden), Osnabrück (Deutschland), Ringkøbing-Skjern (Dänemark) und Østfold (Norwegen). Er hob folgende Leitlinien des Projektes hervor:
• Nutzung von lokal verankerten Energieketten;
• Schaffung eines Mehrwerts vor Ort;
• umsetzbaren Lösungsfindung;
• regionale Vorgehensweise.

Er erklärte, dass die Nutzung von dezentraler Energie viele Vorteile mit sich bringt. Dabei unterstrich er vor allem den Vorteil der dadurch entstehenden Solidarität zwischen den BürgerInnen der Gemeinden. Er erzählte, beispielsweise, dass in Emmen 20% der BürgerInnen an einer gemeinsamen Energieversorgung beteiligt sind. Er betonte auch, dass es wichtig ist, einen gesetzlichen Rahmen innerhalb der EU zu haben, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ermöglicht.

Grzegorz Jakuc, Bürgermeister von Turośń Kościelna, erzählte, dass etwa 30% der Ortschaft Turośń Kościelna in einem Naturschutzgebiet liegt. Deshalb ist es wichtig, die C02-Emissionen zu senken, um das Naturschutzgebiet für die zukünftigen Generationen erhalten zu können. Er erzählte, dass sie sich hauptsächlich auf die Solarenergie konzentriert haben, da sie im Nordosten von Polen sehr viel Sonne zur Verfügung haben. Er erzählte, dass fünf der dortigen Kulturzentren mit neuen Wärmepumpen ausgestattet wurden. Zudem wird derzeit ein Viertel der 1.800 Häuser mit erneuerbaren Energiequellen versorgt. Er sagte, dass dies ein großer Erfolg für seine Ortschaft sei, da in Polen das Thema erneuerbare Energie, weniger Aufmerksamkeit bekommt, als wie in anderen Teilen der Welt.

Rudolf Niessler, Direktor des Sektors Intelligentes und nachhaltiges Wachstum und Programmdurchführung der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission, erklärte, dass die EU die Nutzung einer fairen, sauberen und effizienten Energie sicherstellen und, dass dies auf lokale Ebene erfolgen muss. Er betonte, dass vor allem die Kohäsionspolitik dabei eine wichtige Rolle spielt. Er erklärte, dass trotz der vorhergesehen Kürzung der Mittel für die Kohäsionspolitik, diese in Zukunft 30% der finanziellen Mittel für die Themen Energie, Klima und Umwelt zur Verfügung stellen wird. Er hob hervor, dass der vorgeschlagene Mehrjähriger Finanzrahmen 2021-2027 einen starken Fokus auf die Unterstützung von einem sauberen Energiewandel setzt und, dass die Flexibilität des neuen Mehrjährigen Finanzrahmens es ermöglicht, das Thema Energie sektorenübergreifender zu behandeln.

Mariana Gâju, Bürgermeisterin von Cumpăna (Rumänien) und Mitglied beim Ausschuss der Regionen, hob hervor, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Energiewandel und der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung gibt. Sie hob die Wichtigkeit hervor, dabei finanzielle und verwaltungstechnische Unterstützung zu bekommen. Zudem war sie der Meinung, dass es wichtig sei, die großen Unternehmen in den Prozess des Energiewandels miteinzubeziehen.

Filip Carlea, Professor der Academia Romana, Institutul National de Cercetari Economice, fügte noch hinzu, dass in Rumänien bereits seit dem Jahr 2014 24% der Energie aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird. Er erklärte auch, dass die dortige Energieverteilung monopolistisch organisiert ist.

Joachim Kreysa, Berater für Bioökonomie von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, erklärte, dass es wichtig sei, über eine optimale Nutzung der erneuerbaren Energiequellen nachzudenken. Er verkündete, dass die Europäische Kommission derzeit an einen Vorschlag für eine europäische Bioökonomie-Strategie arbeitet. Die Wirtschaft brauche dazu einen stabilen Regulierungsrahmen.

Corinna Zierold, Politische Beraterin im Bereich Energie von IndustriALL, erklärte, dass für den Energiewandel eine industriepolitische EU-Strategie notwendig sei. Sie unterstrich, dass der Energiewandel verantwortungsvoll gestalten werden muss, um einen gerechten Übergang für die Arbeitnehmer zu ermöglichen und Qualitätsarbeitsplätze zu schaffen. Dabei soll vor allem die Umschulung auf andere Arbeitsplätze und die digitalen Kenntnisse gefördert werden. Sie hob die Wichtigkeit hervor, Allianzen zwischen der Industrie, dem Bildungssektor, dem öffentlicher Sektor und den Sozialpartnern auf nationale Ebene zu bilden.

Lutz Ribble, Berichterstatter von der Stellungnahme “The effects of a new carbon-free, decentralised and digitalised energy supply structure on jobs and regional economies” des EWSA, erklärte, dass es in Zukunft einen größeren Fokus auf die dezentrale Energieproduktion geben wird. Er hob den Vorteil hervor, dass die die erneuerbaren Energiequellen dezentral verfügbar sind. Dies ist vor allem für die benachteiligten Regionen ein großes Potenzial. Er erklärte auch, dass die Informationen und Meinungen von den Teilnehmern dieser Konferenz in die Stellungnahme des EWSA miteinbezogen werden.

Den vollständigen Bericht finden Sie als PDF Version hier.

Tags: event deutschEnergy and Environment_engenergy_and_environment_DESouth Tyrol